Ein Denkmal für die BWK

Förderverein Kämmereimuseum

Das historische Verwaltungsgebäude der Bremer Wollkämmerei (Foto: Wikimedia)

Der Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal feierte im Mai 2013 den 130. Gründungstag der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) und darf das alte Fabrikgelände – unter bestimmten Bedingungen – auf unbestimmte Zeit weiter nutzen.

Weihnachten 2009 wird so mancher der letzten noch verbliebenen 200 Mitarbeiter der Bremer Woll-Kämmerei (BWK) in schlechter Erinnerung behalten. Wurde ihnen doch kurz vorher durch die Geschäftsführung mitgeteilt, dass 2010 „ihre Kämmerei“ endgültig geschlossen wird. Ein Unternehmen, womit sich kein nennenswerter Profit mehr erwirtschaften lässt, „wickelt man ab“. So geschehen auch mit der BWK in Bremen-Blumenthal.

Historisches Gebäude der Bremer Wollkämmerei (Foto: Wikimedia)
Historisches Gebäude der Bremer Wollkämmerei (Foto: Wikimedia)

Ein kurzer Rückblick: Am 13. April 1883 haben Bremer Kaufleute einen für damalige Verhältnisse kühnen Entschluss gefasst: Sie gründeten die Bremer Woll-Kämmerei. Mit der Unterzeichnung der Gründungsurkunde und dem Baubeginn der BWK begann für Blumenthal das industrielle Zeitalter und ein atemberaubender Aufstieg.

Auf einer Fläche größer als der Vatikanstaat wuchs mit den Jahren ein gigantischer Industriekomplex empor, der das kleine „Bauern- und Fischerdorf“ Blumenthal im Norden in einen Industriestandort verwandelte. Blumenthal explodierte förmlich. Die ehemalige Bremer Woll-Kämmerei prägte wie kein anderes Unternehmen über 120 Jahre den Ortsteil Blumenthal und seine Bewohner. Ganze „Hundertschaften“ von Nordbremern lebten von und mit „ihrer Kämmerei“ und hinterließen dort „ihre Geschichte“.

Die Bremer Woll-Kämmerei mit ihren vielen Schornsteinen war nicht nur „ortsbildprägend“, sondern noch treffender: „identitätsprägend“ für den Stadtteil Blumenthal und seiner in Blumenthal lebenden Bevölkerung. Das Werk besaß in der Textilwirtschaft im Bereich „Wollverarbeitung“ ein weltweites Alleinstellungsmerkmal in puncto „Kammzugerzeugung“. Nicht nur das: Die historischen Industriebauten, aus Backsteinen um 1890 errichtet, wurden zwischenzeitlich unter Denkmalschutz gestellt und werden nunmehr unter anderem von der Bremer Wirtschaftsförderung wieder hergerichtet.

Grund genug, rechtzeitig für ihr späteres „Innenleben“ zu sorgen. Was lag also näher, einen Förderverein zu gründen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, alles an Bildern, Dokumenten, Aufzeichnungen etc. zu sammeln, auszuwerten, aufzubereiten und zu dokumentieren. Die Aufarbeitung und Präsentation des vorhandenen Materials ist Ziel der Vereinsarbeit und dient der Kulturgeschichte und Industriekultur Bremen-Blumenthals.

Der Verein wurde am 12. Mai 2011 ins Vereinsregister eingetragen und wenig später als „gemeinnützig“ anerkannt. Danach nahm die Arbeit unter seinem Gründungsinitiator und 1. Vorsitzenden, Detlef Gorn, Fahrt auf: In der Zeit vom 15. Juni bis 15. Juli 2012 bot sich im BWK-Gebäude 43 für den Förderverein Kämmereimuseum Blumenthal e. V. die einmalige Gelegenheit, den Blumenthaler Bürgerinnen und Bürgern in den historischen Räumen der ehemaligen technischen Verwaltung die ersten Ergebnisse zu präsentieren. Im Rahmen eines groß angelegten Projektes hatte die Bremer Zwischenzeitzentrale (ZZZ) die Nutzungsrechte für das Gebäude 43 erworben und ein großes „öffentliches Event“ mit überregionaler Ausstrahlung organisiert.

Unterstützt wurde der Verein dabei auch vom Landesamt für Denkmalpflege, Staatsarchiv, Focke Museum, Landeszentrale für politische Bildung, Wirtschaftsförderung Bremen, Bauamt Bremen-Nord, DOKU und Heimatarchiv Blumenthal sowie dem Ortsamt und Beirat Blumenthal.

130. Gründungstag der BWK

Für den 13. April 2013 hat sich der Verein etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Es wurden alle Geschäftsführer der auf dem ehemaligen BWK-Areal ansässigen Firmen und alle namhaften Bremer Kulturrepräsentanten in das ehemalige BWK-Direktorengebäude eingeladen („Kultur trifft Mittelstand“). Die Firmen hatten für die Blumenthaler Bevölkerung erstmalig ihre „Fenster und Türen“ geöffnet.

Darüber hinaus wurde dem einstigen Generaldirektor der BWK und großen Mäzen Blumenthals, Richard Jung („Richard-Jung-Straße“, „Richard-Jung-Heim“), ein eigener Ausstellungsraum gewidmet. (In der Richard-Jung-Straße befinden sich heute beispielsweise das Atelier Blumenthal und die Moments Galerie)

Der Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Jens Böhrnsen, richtete Grußworte an die Gäste, darunter viele ehemalige Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln, die in den 60-er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Blumenthal eine neue Heimat gefunden haben. Aufgrund der großen Resonanz in der Bevölkerung, insbesondere auch bei den Bewohnern mit ausländischen Wurzeln, hat sich der Förderverein für einen Erhalt der Ausstellung inklusive Filmvorführungsraum und Verbleib in den historischen BWK-Räumen stark gemacht und einen entsprechenden Antrag an die Wirtschaftsförderung Bremen gerichtet. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „… gestatten wir Ihnen die weitere Nutzung auf dem BWK-Gelände auf unbestimmte Zeit.“

Kann man eigentlich nach zwei Jahren mehr verlangen? Kann man. Schön wäre es, wenn nach Möglichkeit viele Bürgerinnen und Bürger die Idee einer BWK-Dokumentationsstätte mit einem Vereinsbeitritt für 83 Cent im Monat aktiv unterstützen würden oder auch private Bilder, Dokumente und anderes dem Verein zur Auswertung ausleihen.

Weitere Informationen beim 1. Vorsitzenden des Fördervereins, Detlef Gorn, (Telefon 0421 – 605271 oder per E-Mail: dgorn@t-online.de).

2 Kommentare

  1. Ich habe noch ein Bild von der Sortierung (Meines Vaters)
    Da ich selber 6 Jahre in der Krempelschlosserei gearbeitet habe, auch hier habe ich Unterlagen

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